Brandmeldeanlagen: Aufgaben und Anforderungen an den Aufbau und Betrieb richtig verstehen.

 Frank Möller

Um in modernen Gebäuden mit aufwendiger Architektur, komplexer Infrastruktur und Nutzung den heutigen Anforderungen des Brandschutzes sowie der Sicherheit gerecht zu werden, wurde dem anlagentechnischen Brandschutz, insbesondere der Brandmeldeanlage, eine immer größer werdende Bedeutung zugesprochen.

Brandmeldeanlagen (BMA) dienen in erster Linie dem Personen- und Sachwertschutz.

Aufgrund Ihrer Eigenschaft, Brände bereits in einem sehr frühen Stadium zu detektieren und diese Gefahrensituation weiter zu melden, sind BMA einer der wichtigsten Bestandteile des anlagentechnischen Brandschutzes. Neben der Alarmweiterleitung an eine hilfeleistende Stelle, werden insbesondere zu einem sehr frühen Zeitpunkt, Menschen, die sich innerhalb des Gebäudes aufhalten, mittels Alarmierungseinrichtungen bzw. Alarmierungsanlagen frühzeitig gewarnt um sich in Sicherheit zu bringen. Zusätzlich können BMA andere sicherheitstechnische Anlagen, wie z. B. maschinelle Entrauchungsanlagen oder Löschanlagen automatisch ansteuern und übernehmen damit die zentrale Steuerung von festgelegten Schutzzielszenarien.

Die Notwendigkeit zum Einbau einer BMA ergibt sich in der Regel aus folgenden Gesichtspunkten:

  • Baugenehmigung
  • Vorgaben aus den Sonderbauverordnungen bzw. Sonderbaurichtlinien, wie z. B.
    • Versammlungsstättenverordnung
    • Verkaufsstättenverordnung
    • Hochhausrichtlinie
    • Industriebaurichtlinie
  • Zur Erreichung von Schutzzielen objektspezifischer Brandschutzkonzepte, insbesondere wenn es um die Kompensation von Abweichungen geht
  • Anforderungen durch den Sachversicherer
  • Anforderungen aus dem Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz
  • Eigeninitiative des Bauherren bzw. Betreibers einer baulichen Anlage

Aufgrund der Komplexität und der Fülle von Einsatzmöglichkeiten und Anwendungsfällen einer BMA, widmen sich eine Vielzahl von Normen, Richtlinien und Vorschriften, um die fachgerechte Planung, Montage, Inbetriebsetzung, Abnahme, Betrieb und Instandhaltung solcher Systeme. Hier den Überblick zu behalten stellt selbst Fachleute immer wieder vor größere Herausforderungen.Um eine BMA richtig planen und bauen zu können, ist es zwingend erforderlich die Bestandteile einer BMA und deren Funktionsweise zu kennen und zu verstehen. Dies gilt insbesondere für den richtigen Einsatz von automatischen Brandmeldern, mit dem Schutzziel einen Brand frühzeitig, möglichst in der Entstehungsphase, aber so Täuschungsalarmsicher wie nötig, zu erkennen.

Automatische Brandmelder können je nach Bauart eine oder mehrere Brandkenngrößen sicher und zuverlässig detektieren. Hierzu zählen unter anderem:

  • Rauchpartikel
  • Trübung der Luft
  • Temperatur (Maximal- oder Differenzwert)
  • IR-Strahlung (Infrarot – Flamme)
  • UV-Strahlung (Ultraviolett – Flamme)
  • Kohlenmonoxid CO

Unterscheidungsmerkmale von automatischen Brandmeldern.:

  • Punktförmige Melder> Überwachung des Raumes punktförmig in einer Messkammer
  • Linienförmig Melder> Überwachung des Raumes entlang einer Überwachungsstrecke
  • Raumüberwachung> Überwachung durch Beobachtung des Raumvolumens

Neben der Kenntnis über die richtige Auswahl und Funktionsweise von Brandmeldern ist es Elementar, diese korrekt entsprechend der normnativen Anforderungen zu projektieren.  Hierzu gibt es eine Vielzahl von Vorgaben in den technischen Regelwerken, die man unter Beachtung der Schutzziele, richtig verstehen und anwenden muss. Ein falsches Verständnis in der Planung und Projektierung führt häufig dazu das BMA nicht wirksam funktionieren und viele Täuschungsalarme zu hohen Kosten und unnötigen Ärger führen.

Durch eine fachgerechte und schutzzielbasierte Planung und Projektierung lassen sich zudem unnötige Kosten bei der Ausführung, dem Betrieb und der Instandhaltung einsparen. Um den Einbau und Betrieb einer BMA ordnungsgemäß und wirtschaftlich, unter Beachtung der Schutzziele, zu realisieren, sind eine ausreichende Fachkenntnis, die Funktionsweise anderer sicherheitstechnischen Anlagen und deren Wechselwirkungen und eine schutzzielorientierte Herangehensweise die Basis zum Erfolg.

Folgende Punkte sind dabei insbesondere zu beachten:

  • Ein Brandmelde- und Alarmierungskonzept bildet das Fundament für die nachfolgende Planung, Projektierung, Montage, Inbetriebsetzung, Abnahme, Betrieb und Instandsetzung einer BMA.
  • Die regionalen Besonderheiten, die sich aus der Vielzahl von unterschiedlichen technischen Anschlussbedingungen der zuständigen Feuerwehr ergeben, sind zu beachten.
  • Die Planung und Projektierung basiert auf Grundlage der normativen Vorgaben. Abweichungen und andere Lösungsansätze sind jedoch möglich und in der Praxis üblich, da auch Normen und Richtlinien, nicht alle projektspezifischen Gegebenheiten abdecken können.
  • Brandfallsteuerungen sind unter Beachtung der Schutzziele auf ein wirtschaftliches und sinnvolles Maß zu begrenzen. Zu viele Schnittstellen und Verknüpfungen führen nicht selten zu Verständnisproblemen, Fehler bei der Programmierung und einem sehr hohem Prüfaufwand.
  • Schnittstellen zu anderen sicherheitstechnischen Anlagen (Stichwort Brandfallsteuer-matrix) sollten frühzeitig, möglichst schon in der Konzeptphase ausreichend berücksichtigt werden.
  • Die Montage und Inbetriebsetzung muss unter Beachtung der a.a.R.d.T. auf Basis des BMA Konzeptes und der Fachplanung erfolgen. Zertifizierte Fachfirmen sind dafür verantwortlich, dass ggf. eingesetzte Subunternehmen ausreichend eingewiesen und überwacht werden.
  • Die Anforderungen an den elektrischen Funktionserhalt im Brandfall für die Leitungsanlagen der BMA sind zwingend zu beachten.

Um den sicheren und ordnungsgemäßen Betrieb einer BMA zu gewährleisten, müssen neben den allgemein anerkannten Regeln der Technik insbesondere die projektspezifischen Schutzziele in die Planung und Ausführung einfließen. Entscheidend ist es die Normen und Richtlinien richtig zu interpretieren und anzuwenden. Frühzeitige Planung, Abstimmung und Koordination der am Bau Beteiligten sind entsprechend zwingend erforderlich.

Eine solche Anlage kann nur sicher funktionieren, wenn sie ordentlich geplant und fachgerecht unter Beachtung der Randbedingungen errichtet, betrieben und instandgehalten wird.

Frank Möller

ö.b.u.v. Sachverständiger der IHK Mittlerer Niederrhein für den anlagentechnischen Brandschutz, Fachplaner und Sachverständiger für gebäudetechnischen Brandschutz (EIPOS), Meister im Elektrotechniker Handwerk, Zertifizierter Fachplaner für Brandmeldeanlagen nach DIN 14675, Geschäftsführender Gesellschafter der Möller BSP GmbH und Partner der ML Sachverständigengesellschaft mbH, Dozent bei ElPOS und im Berufsbildungszentrum Kassel, Mitautor des Kommentars zur MLAR 2016