Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik:

Know-How beim baulichen Brandschutz

von Christian Betz 

Mehr Abstimmung, weniger Abweichungen

Die richtige Balance zwischen baurechtlichen Anforderungen und der baulichen Umsetzung auf der Baustelle finden.

Gegenwärtig boomt die Bauindustrie. In großem Umfang spielt hierbei der Brandschutz natürlich eine entscheidende Rolle. Umso wichtiger ist es, bei der Umsetzung des baulichen Brandschutzes den richtigen Ansatz zu finden. Technische Baubestimmungen, wie die Leitungsanlagenrichtlinie, führen in der Praxis schnell zu unterschiedlichen Auffassungen zwischen Bauherrenvertretern und den ausführenden Fachbetrieben. Stimmt von vorneherein die Abstimmung, kommt es in der Regel zu deutlich weniger Abweichungen und Missverständnissen auf der Baustelle.

Häufige Missverständnisse entstehen durch die unterschiedlichsten Interpretationen der technischen Baubestimmungen im Hinblick auf die Anordnung der Installationen in gemeinsamen Durchbrüchen oder innerhalb gemeinsamer Installationsschächten. Hierbei spielt die Auswahl der richtigen Dämmstoffe eine ebenso wesentliche Rolle, wie der Abstand zwischen den Leitungen. Dabei ist im Vorfeld eine Absprache zwischen den jeweiligen Gewerken von größter Bedeutung. Die Praxis zeigt, dass durch rechtzeitige Absprachen die Qualität der Brandschutzmaßnahmen um ein erhebliches Maß zunimmt.

Besonders die Auswahl der Nachunternehmer zum Verschließen von gemeinsamen Durchbrüchen kann das Zünglein an der Waage sein. Falsches Einschalen oder das nicht hohlraumfreie Vermörteln von Durchbrüchen führt in den meisten Fällen zur Nichteinhaltung der jeweiligen Anforderungen aus Zulassungen oder Prüfzeugnissen.

Auch gilt es die Schnittstellen zwischen den einzelnen Gewerken genau zu beachten. Schnittstellen ergeben sich durch sogenannte Vorleistungen einzelner Gewerke. Stimmen diese nicht, verzögert sich möglicherweise der Bauablauf deutlich. Die am häufigsten vorgefundenen Schnittstellenkollisionen ergeben sich durch falsch ausgeführte Auswechselungen innerhalb von Trockenbaukonstruktionen, in die eine Abschottung eingebaut werden muss. Werden hier die jeweiligen Anforderungen nicht eindeutig im Vorfeld besprochen führt dieses Verhalten oft zu deutlich höherem Aufwand oder zu einer Mentalität des Wegguckens, durch die sich zusätzliche Abweichungen beziehungsweise Mängel ergeben. Der Trockenbauer wird somit ein immer wichtigerer Partner der TGA Gewerke. Weiterhin muss auch darauf geachtet werden, dass Befestigungen von Installationen der technischen Gebäudeausstattung (TGA) in notwendigen Fluren dieselbe Feuerwiderstandsdauer aufweisen, wie die zu montierende Unterdeckenkonstruktion mit Brandschutzanforderung. Auch hier schlummern Fehlerpotentiale.

Es gilt also Schnittstellen zu koordinieren und Abweichungen sicher zu vermeiden.

Christian Benz

Standortleiter bei Heinrich Schmid Ingenieure GmbH, Sachverständiger für gebäudetechnischen Brandschutz, Sachverständiger für brandschutztechnische Bau- und Objektüberwachung